Das Problem: Hollywin war zuerst nur ein Name auf dem Stundenplan
Als die Klasse 3b der NMS Brüsslgasse im Herbst eine Projektwoche zu Hollywin startete, standen 24 Schülerinnen und Schüler, fünf Lehrkräfte und ein Begriff im Raum, den niemand so richtig greifen konnte. Hollywin sollte Medienkompetenz, Teamarbeit und Präsentation verbinden. Nach den ersten 90 Minuten waren zwar drei Plakate entstanden, aber kein gemeinsames Ziel. Die Diagnose war ernüchternd: Zu viele Einzelideen, zu wenig Struktur.
Die Ursache: Ohne Rollen zerfällt ein gutes Format in Einzelstücke
Die Ursache lag nicht am Thema, sondern am fehlenden Rahmen. Jede Gruppe interpretierte Hollywin anders: Die einen bauten eine Umfrage, die anderen ein Quiz, die dritten ein Video. Es gab keine gemeinsame Abgabefrist und keine sichtbare Entscheidungsregel. Wer laut war, setzte sich durch; stille Ideen gingen verloren. Genau das passiert häufig bei Projektformaten, die auf Eigeninitiative setzen, aber Verantwortlichkeiten offenlassen.
Die Lösung: Drei Regeln, die Hollywin handhabbar machten
Am dritten Tag änderte das Team den Ablauf. Statt frei zu arbeiten, bekam jede Gruppe eine klare Rolle und einen 20-Minuten-Takt. Die Lehrkräfte griffen nur bei Konflikten ein. Innerhalb von zwei Blöcken entstanden ein gemeinsames Storyboard, ein Testlauf und eine Präsentation. Die wichtigste Änderung: Jede Entscheidung musste auf einem sichtbaren Blatt dokumentiert werden – mit Name, Datum und Begründung.
- Rollen statt Hierarchie: Jede Gruppe hatte eine Zeitwache, eine Materialverantwortung und eine Sprecherrolle.
- Kurze Zyklen: 20 Minuten Arbeit, 5 Minuten Rückblick, dann eine Entscheidung.
- Öffentlicher Zwischenstand: Jeden Mittag wurde ein Foto des aktuellen Stands an die Wand gepinnt.
Das Ergebnis: Hollywin wurde zum Anlass für echte Medienkompetenz
Am Ende der Woche präsentierten die Gruppen keine perfekten Produkte, sondern nachvollziehbare Prozesse. Eine Gruppe zeigte, wie sie eine falsche Quelle entlarvt hatte; eine andere erklärte, warum sie ein ursprüngliches Videoformat verwarf. Die Schülerinnen und Schüler bewerteten Hollywin nicht als „fertiges Spiel“, sondern als Werkzeug für Absprachen. Das ist der eigentliche Gewinn: nicht ein schickes Ergebnis, sondern die Fähigkeit, Ideen zu prüfen und Entscheidungen zu begründen.
Für andere Schulen lohnt der Blick auf die Dokumentation vergleichbarer Projekte. Die NMS Brüsslgasse veröffentlicht unter https://nmsbruesslgasse.at/, wie sie Projektwochen strukturiert und welche Rolle Medienarbeit dabei spielt. Wer Hollywin einsetzen will, sollte deshalb zuerst drei Fragen beantworten: Welche Rolle hat jede Person? Wann wird eine Entscheidung dokumentiert? Und woran erkennt die Gruppe, dass sie fertig ist?